Tough Guy 2016

Los geht's
Tough Guy 2016

 

 

Die Story…

Alles begann vor knapp einem Jahr als der Mann zum üblichen Kletterwochenende unter Männern aufbrach. In den Kletterpausen und im Brausebrand scheinen die Gedanken der Männer nur so zu sprudeln. Sie scheinen auf einmal unheimlich viele Ideen in kürzester Zeit entwickeln zu können und sich tiefgründige Fragen zu stellen: „Wann ist der Mann ein Mann?“ Wunschvorstellungen wie: “ Bald bin ich 40, dann geht’s erst richtig los “ wurden laut ausgesprochen und in gemütlicher Männerrunde am Feuer begann der Ein oder Andere seinen Traum schon bunt auszuschmücken. Jedenfalls kam mein Mann sehr glücklich und viel zu euphorisch von diesem Trip zurück. Es sprudelte nahezu aus ihm heraus…. Bei “ bald bin ich 40 und somit im besten Alter für…“ wurde ich aufmerksam. Ich hörte kurz ganz konzentriert zu und dann …puh, er will kein Motorrad;). Während der Mann wirklich ungewöhnlich viele Wörter benutze  um mir sein Vorhaben zu erklären, nickte ich nur mit dem Kopf und war eigentlich ab dem nicht gefallenen Wort Motorrad raus. Abends im Bett überlegte ich dann aber doch angestrengt was er wohl versucht hat mir zu sagen. Er war so voller Adrenalin , es schien Ihm wichtig. Also fragte ich nochmal nach… Ich hatte mehrere Fragen.

  1. Wie du musst unter Balken durch tauchen?
  2. Was meinst du mit durch Schlamm und Röhren kriechen?
  3.  Du willst freiwillig durchs Feuer laufen?
  4. und dich Stromschlägen aussetzen?

Es folgten noch unzählige Erklärungen über den härtesten Lauf der Welt , welcher jährlich in England statt findet und bei dem nur die Hälfte der Teilnehmer die an den Start gehen, auch im Ziel ankommen.

Das musste ich erstmal sacken lassen. Und während ich recherchierte ( ob schon mal einer gestorben ist oder so was) befand der Mann sich schon mitten in der Vorbereitungsphase. Er macht unzählige Dauerläufe,nahm 7kg ab,  ging eigentlich das ganze Jahr in die Ostsee um sich abzuhärten, lief durch die Wälder über Stock und Stein und bei Wind und Wetter. Wir kauften uns sogar eine Regentonne, in die er nach den Läufen sprang ( für die Kinder war das im Sommer ein Spaß ). Wir unterstützen unseren Papa so gut wir konnten, damit aus ihm ein „harter Kerl“ wird. Gerade zum Ende hin empfand ich das stundenlange Gelaufe als eher belastend. Schließlich haben wir drei Kinder und ein Familienleben. Am Wochenende begleiteten die Kinder ihren Papa mit den Fahrrädern und in den letzten Wochen gab es nur noch ein Thema: “ Der Lauf seines Lebens“

Der Flug war gebucht, die neuen Schuhe sahen längst schon nicht mehr neu aus, sondern waren eingelaufen und konnten auch schon die ersten kleinen Geschichten erzählen. Nun musste eigentlich nur noch geklärt werden, was man zu so einem Lauf am besten anzieht. Unzählige Male besuchte der Mann den Peter von CitySportRostock und die beiden tüftelten an der Ausrüstung. Und als ich dann das tolle Ergebnis der Klamotten sah, habe ich innerlich die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen. Die arme Ausrüstung. So tolle Klamotten um sich durchs Feuer zu rollen unter Baumstämmen durch zu tauchen, meterhohe Hindernisse zu überwinden um am Ende im Matsch zu ertrinken??? Ich sagte nichts, lobte nur das der Mann sehr gut aussah.

Tag X war gekommen. Der Mann flog los, die Kinder von den Erzählungen ganz aufgewühlt hatten Angst um ihren Papa, ich ließ mir nichts anmerken und wünschte viel Spaß ( dachte den kann er gut gebrauchen bei so einem Lauf)… Der Mann flog also nach England wir fuhren in die Winterferien.

Sonntag 31.01. 12.00 Uhr deutscher Zeit bedeutet „Start“ in England wir waren so aufgeregt und fieberten richtig mit. Ständig fragten die Kinder,“ hat Papa es geschafft“,geht’s ihm gut?“, „ist er im Ziel?“

Nach vier Stunden immer noch keine Nachricht von dem Mann. Ich hatte ein mulmiges Gefühl, die Kinder den Tränen nah, mit zittrigen Stimmen…Meine Gedanken kreisten“ ihm wird doch nichts passiert sein?“, gestürzt, umgeknickt, zusammengebrochen, Kälteschock, abgebrochen?“ Gehört er, der sich akribisch auf den Wettkampf  vorbereitet hat, zu der einen Hälfte der Starter die nicht ins Ziel kommen?“

Nach unglaublichen 5 Stunden, eine Nachricht : “ Bin im Ziel, es geht mir gut!“ ( natürlich lässt ein Mann ein Handy im Auto um dann erst zwei Stunden nach der Zielankunft seine Familie zu informieren)

3:14 Minuten hat unser Papa gebraucht, beim Tough Guy 2016 und ja, er ist ein „harter Kerl “ von 7000 Startern sind 2500 nur ins Ziel gekommen. Der Mann war unter den ersten 1100Teilnehmern .

Seinen Erzählungen zu Folge hat er sich noch nie so gequält in seinem Leben, war dem Aufgeben noch nie so nah. Das Härteste waren wohl nicht die Hindernisse, das Feuer, das Wasser, die Kälte oder der Schlamm. Das Härteste waren wohl die unzähligen steilen Berge , die 4,5 km vor den ganzen Hindernissen zu absolvieren waren. Insgesamt waren es 15 km die bewältigt werden mussten.

Er hat es nicht so direkt gesagt, aber ich glaube diesen Lauf macht er nie wieder. Gentleman like bot er an mich zu begleiten und zu unterstützen wenn ich mich einmal quälen möchte, aber insgeheim weiß er ja, dass ich das nicht tun werde.;)

Zum Schluss kann ich euch noch berichten, das die gesamte Wettkampfausrüstung heil geblieben ist und nicht den kleinsten Kratzer hat. Das nenne ich mal Qualität.

Dies war nun unsere Geschichte vom Tough Guy 2016. Wir haben nun unseren toughen Papa zu Hause und ich verabschiede mich mit einem herzlichen „Sport frei“.

Bis bald, Julia 😉

 

 

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